Eva und Lilith

imageLilith und Adam

Zuerst war alles dunkel. Lilith wusste nicht, was es bedeutete Augen zu haben und zu sehen. Sie tastete um sich und fühlte neben sich einen Körper. Es war Adam. Die beiden befühlten und berochen sich, sie saugten und wühlten ineinander, bis der Tag anbrach. Beim ersten Strahle der Sonne wurden ihnen die Augen geöffnet und sie sahen den Garten Eden.

Der Garten Eden zeichnete sich dadurch aus, dass es immer genug gab. Genug zu essen und genug zu trinken. Und nicht nur das. Das Essen war auch äußerst schmackhaft. Früchte, Nüsse, Gemüse, Getreide. Wenn Lilith das klare Wasser der paradiesischen Quellen trank, fühlte sie sich selbst ganz klar werden. Wenn sie Honig leckte, wurde sie selbst ganz süß. Wenn sie die weiße Milch der Gazellen trank, erwachte die Freude an eleganten Bewegungen in ihr. Wenn Lilith und Adam Wein tranken, kam ein Gefühl über sie, das war so fein und doch so stark, dass sie nicht wussten, welchen Namen sie ihm geben sollten. Lilith nannte es schließlich Ekstase. Im Garten Eden zu leben war eine einzige Wonne. In Liliths Augen war alles, was war, perfekt. Es gab nichts hinzuzuwünschen.

Von irgendwoher jedoch musste all das gekommen sein. Irgendeine unvorstellbare Kraft musste dies alles doch erschaffen haben! Die Kraft nannte sich „Jahwe“ und sie zeigte sich. Jahwes Name bedeutete: „Ich bin. Ich war. Ich werde immer sein.“ Wann immer Adam oder Lilith mit Jahwe sprechen wollten, sprach Jahwe auch mit ihnen. Jahwe beantwortete alle Fragen und verwirklichte jeden Gedanken. Lilith hörte Jahwe so genau zu, dass sie schon bald seinen geheimen Namen entdeckte. Von da an konnte Lilith fliegen.

Das heißt, Lilith konnte sich überallhin bewegen und war frei, sich über die Grenze von Raum und Zeit, die sie eh nicht kannte, hinwegzusetzen. Sie brauchte Jahwes geheimen Namen nur singen, schon war sie an jedem beliebigen Ende des Gartens.

Als Adam bemerkte, dass Lilith eine Fähigkeit entwickelte, die ihm fehlte, wurde er das erste Mal in seinem Leben neidisch. Der Himmel krümmte sich unter der Last dieses neuen Gefühls und oben auf der Krümmung saßen die Verwandten des Neides. Nämlich der Geiz und der Stolz, die Gier und die Wut und die Faulheit und außerdem alle Süchte, die man sich nur vorstellen kann. Sie warteten darauf, ebenfalls Einlass zu finden.

Adam sprach zu Jahwe: „Lilith ist eine üble Gefährtin. Sie fliegt von Horizont zu Horizont und lässt mich unten sitzen. Ich will auch dort oben sein!“ Als Lilith hörte, dass Adam sich über sie beschwerte, kam sie sofort herbei und flüsterte Adam den geheimen Namen ins Ohr, damit auch er fliegen könne.

Adam jedoch konnte mit diesem Namen nichts anfangen. In Adams Herz bewegte der geheime Name Jahwes überhaupt nichts. Und schon gar nicht konnte Adam mit dem Namen von dem einen Ende zum anderen des Paradieses fliegen. Adam wurde sehr wütend und sein Herz füllte sich mit Hass anstatt mit Liebe und er hätte Lilith geschlagen, wenn sie sich nicht hinter Jahwe in Sicherheit gebracht hätte. Jahwe sagte: „Adam, wenn du frei sein möchtest und fliegen willst, musst du selbst meinen geheimen Namen finden. Mein geheimer Name ist für jeden Menschen anders. Ich habe ihn genauso in dein Herz geschrieben, wie ich ihn in Liliths Herz schrieb!“

Doch Wut und Hass hatten bereits einen Spalt gefunden und waren in den Garten eingebrochen. Adam zeigte auf seinen stattlichen und starken Körper und polterte: „Ich bin ein Mann! Ich kann es nicht ertragen, dass diese Frau klüger ist als ich! Dass sie etwas kann, was ich nicht kann! Du liebst sie gewiss mehr als mich! Ich vertraue dir nicht mehr! Wenn du mich genauso liebst wie sie, dann mache eine neue Frau für mich! Ich will mit Lilith nichts mehr zu tun haben! Sie soll verschwinden! Ich verstoße sie!“

Lilith staunte nicht schlecht. Was war nur mit Adam passiert? Der geheime Name Jahwes in ihrem Herzen jedoch bewirkte nicht nur, dass sie fliegen konnte, sondern auch, dass sie vollkommen glücklich und zufrieden war. Ob mit oder ohne Adam. So zog sie sich zurück und richtete sich hinter dem Mond ein gemütliches Zuhause ein.

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Adam und Eva

„Deine neue Frau wird anders sein als Lilith“, versprach Jahwe und erschuf Eva aus einer Rippe des Adam. „Doch alles hat seinen Preis“, sprach Jahwe und deutete auf einen beliebigen Baum im Paradies. Es handelte sich um einen Apfelbaum. „Von diesem Baum hier dürft ihr von nun an nicht mehr essen!“ Das war Adam ziemlich egal, denn es gab hunderttausend Apfelbäume im Paradies. Die neue Frau, die später Eva, das heißt „Mutter alles Lebendigen“ genannt wurde, war fügsam. Sie ließ sich von Adam, der ja nun der ältere im Paradies war, herumkommandieren und war zunächst zufrieden, solange Adam nur freundlich und nett zu ihr war. So dauerte es nicht lange und Adam begann, sich zu langweilen und schon bald sehnte er sich insgeheim nach Lilith zurück. Eva spürte, dass etwas nicht stimmte zwischen ihr und Adam und sie fing an, an sich selbst zu zweifeln. War sie vielleicht nicht schön genug? Nicht interessant genug? Nicht leidenschaftlich genug? War diese Lilith, seine erste Frau, etwa klüger gewesen als sie? Und raffinierter vielleicht?

Oben auf dem von der Last gekrümmten Dach des Paradieses, wo die Verwandten des Neides schon hockten, wurde getuschelt und geschubst. Ein Spalt öffnete sich und Lüge, Tratsch und Verleumndung rutschten ungehindert ins Paradies. Schnurstracks machten sie sich auf und besetzten den verbotenen Baum. Dort warteten sie. Ihre Stunde sollte bald schlagen.

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Eva und Lilith

Lilith hatte inzwischen hinter dem Mond weitere Erkenntnisse über die Geheimnisse Gottes gewonnen und schaute gelegentlich im Garten Eden vorbei, wenn Adam gerade schlief. Sie sah, dass Eva unglücklich war und es tat ihr leid, die Schwester so zu sehen. So erschien Lilith der Eva im Traum. Wortlos erzählte sie von dem unsagbaren Glück, das die Geheimnisse Gottes ihr bescherten. Lilith brauchte dazu keine Worte, denn das Glück machte, dass ihre gesamte Erscheinung leuchtete.

Als Eva erwachte, war sie von großer Sehnsucht nach den geheimen Erkenntnissen Gottes ergriffen und wanderte den ganzen Tag in Gedanken verloren durch den Garten. So kam sie auch an jenem verbotenen Apfelbaum vorbei. Die Täuschung, die gerade eben im Garten Eden angekommen war, hatte an diesem Tag die Gestalt einer Schlange angenommen und sie sprach die träumende Eva an.

„Eva“, so schmeichelte sie, „lass dich nicht für dumm verkaufen! Gott will dir und Adam nur das Glück vorenthalten, das er Lilith gegeben hat. Ihr könnt aber beide genauso wie Lilith sein und frei fliegen, wohin ihr wollt. Das hier, dieser verbotene Baum, ist der Baum der Erkenntnis. Wenn ihr davon esst, dann werdet ihr alle Macht auf Erden besitzen, sogar noch mehr Macht als der Allermächtigste selbst …“

Eva wusste damals noch nicht, was Täuschung ist und glaubte der Schlange jedes Wort, so wie sie im Traum Lilith geglaubt hatte. Sie meinte, das Erscheinen der sprechenden Schlange sei gewiss einer jener unwillkürlichen Zufälle, die einem gewöhnlich den Weg weisen im Garten Eden. Ein wirklich freies Leben wäre schließlich auch nur dann möglich, wenn es keinerlei Verbote gab. Noch dazu, wenn es sich um eine so sinnfreies Verbot handelte wie das mit dem Apfelbaum. Dachte Eva.

Also nahm sie den Apfel und wartete, bis Adam kam, um den Apfel mit ihr zu teilen. Denn das Teilen war Evas Art. Adam schien zunächst skeptisch, aber Eva war eine kluge Frau und ließ Adam die Entscheidung treffen. Zuvor schilderte sie alle Vorteile der vollkommenen Freiheit ausführlich in verschiedenen Schattierungen und Farben. Schließlich stimmte Adam zu, weil er vom Redeschwall Evas vollkommen geplättet war. Sie aßen miteinander den Apfel des verbotenen Baumes. Nichts passierte. Da erkannten sie, dass die Schlange sie getäuscht und belogen hatte. Das war die einzige Erkenntnis und die war sehr schmerzhaft. Als Jahwe kam und sah, was vorgefallen war, erklärte er den beiden, dass von nun an das Paradies zur Hölle werden könnte. Und dass es ab jetzt „Gutes“ und „Schlechtes“ gäbe und dass sie lernen müssten, das eine vom anderen zu unterscheiden. Und dass das oft nicht einfach sei. Und dass sie von nun an viele Gesetze brauchen würden. Adam stand auf, nahm Eva bei der Hand und sagte zu Jahwe: „Sinnlose Gesetze werden wir jedenfalls nicht akzeptieren!“ Dann gingen die beiden in den neuen Morgen hinein.

Jahwe sah ihnen wohlwollend nach.

aus dem Buch von Monika Herz „Geschichten die heilen“

 

Aus meinem ganz persönlichen Verständnis steht Lilith für das Ebenbild der ursprünglichen Frau. Sie ist mit Gott und der Mutter Erde bis in ihre eigenen „dunklen“ – gemeint sind hier die unbewussten Tiefen des weiblichen Prinzips – verbunden. Die Löwen stehen für die Sphinx bei den Pyramiden von Gizeh, und somit für die weiblichen Energien der lichtvollen Großen Mutter Shakti. Die Eulen stehen für die Weisheit des Dritten Auges und der tiefen Intuition, das im Dunkeln (Unbewussten) verborgene zu erkennnen – sprich sich bewusst zu machen – und nicht zu bewerten, sondern in Liebe und Weisheit anzunehmen. Bei ihr gibt es nichts verdrängtes und an ihrem Zufluchtsort, dem Lilith-Knotenpunkt im „Schatten der Erde“ erhellt die Mondgöttin ihren astrologisch gewählten Platz. Vor ihr bleibt nichts verborgen als die Sonne selbst, die jedoch den Mond erstrahlen lässt und darin sehe ich eine besondere Möglichkeit der Spiegelung des Unbewussten in ihrem Wirken.

Wenn wir unsere „Leichen im Keller“ ansehen, annehmen und würdigen, wandeln sie sich in einen unsagbaren Schatz der Weisheit und Gnade.

Gefühlt ist für mich die „christlich anerkannte Schwarze Madonna“ daraus geworden. Das ist jetzt völlig spekulativ aber macht nichts. So fand sie einen Weg zu uns zurück – natürlich „fehlt“ dabei dann der komplett erotische Aspekt der ursprünglichen Weiblichkeit … aber sie ist noch da.

Im Shintoismus wird übrigens der Gott (Kami) Tsukuyomi als Mondgott und Bruder von Amaterasu, der Göttin der Sonne verehrt … 

Gerne überbringe ich Dir Deine persönliche Botschaft von Lilith

Ausgleich 55.-€

Die Erweckung deiner Kundalinikraft in Form eines Channelings beträgt 75.-€

jeweils zzgl Versandkosten und 7%MwSt.